„Die Welt ist ein Buch; wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“ Unter diesem Weisheitsmotto des Kirchenvaters Augustin luden Dekanatsbildungsreferent Axel Guse und Pfarrer Tobias Kraft zu einer Studienreise nach Mecklenburg-Vorpommern auf den historischen Spuren zu den schönsten Zeugen gotischer Baukunst ein. Das Ziel hatte nicht nur etwas mit dem einzigartigen Reiz zu tun, der von den Backsteinbasiliken Norddeutschlands ausgeht, sondern auch eine persönliche Note: Für Axel Guse sollte es die letzte Studienreise vor Beginn seines Ruhestands sein. Deshalb bot es sich an, Richtung Pommern aufzubrechen, wo seine Vorfahren herstammten.
Mit 45 Teilnehmenden steuerte die Reisegruppe in einem bequemen Bus der Fa. Kuhnert („Rheinhessenperle“) als erstes Ziel die altehrwürdige Hansestadt Rostock an. Die Fahrt verlief staufrei, so dass schon am frühen Abend das Hotel „Am Hopfenmarkt“ inmitten des Stadtzentrums bezogen werden konnte und wo das Abendessen im Hopfenkeller mit seinem urigen Ambiente schon vorbereitet war.
Für Sonntagmorgen stand ein Gottesdienstbesuch in der gotischen Marienkirche auf dem Programm. Von dort aus schloss sich die Stadtführung an: Zunächst die Marienkirche selbst mit einer der ältesten astronomischen Uhren der Welt in ihren Mauern. „Man kann nur staunen“, stand Mitfahrer Armin Grohs ehrfurchtvoll vor diesem mechanischen Wunderwerk. Anschließend brachte Reiseführerin Frau Weitzel der Gruppe die Sehenswürdigkeiten der Innenstadt näher: Der Neue Markt mit typischen Giebelhäusern, die besondere Architektur des Rathauses bis hin zur Stadtbefestigung und dem Universitätsplatz.
Den Nachmittag zur freien Verfügung nutzten bei sonnigem Wetter viele zu einer Fahrt mit der S-Bahn nach Warnemünde, um sich die Ostseeluft um die Nase wehen zu lassen.
Als ein Highlight der Backsteinkunst gilt sicherlich das Münster von Bad Doberan, das am folgenden Tag auf dem Besichtigungsprogramm stand. Die Ausstattungen von höchster künstlerischer Qualität beeindruckten die Besucher. „So gewaltig hätte ich mir diese Backsteinkirchen nicht vorgestellt“, bemerkte ergriffen Reiseteilnehmer Helmut Steuerwald. Leider hörte an diesem Tag der Regen nur sporadisch auf, dennoch befuhr Reiseleiterin Weitzel die Strecke nach Wismar nicht ohne einen Abstecher nach Heiligendamm, dem mondänen Ostseebad. Trotz weiteren Niederschlags zeigte sich die einst berühmte und mächtige Hansestadt Wismar als Kleinod mittelalterlicher Baukunst. Die Stadtbesichtigung führte zum 80 m hohen Turm der ehemaligen Marienkirche. Hier erwartete die Gruppe eine spannende 3-D-Animation über den Bau mittelalterlicher Kathedralen. „Wahnsinn, welche Mühen hinter solch einem Bau stecken!“, bemerkte Hans Guth. Weiter führte der Weg zur benachbarten hochgotischen St. Georgenkirche, die Dank eines europäischen Wiederaufbauprogramms nach der Wende ihre wuchtige Eleganz in wunderbarer Weise wiedergefunden hat. Auf dem Rückweg zum Markplatz mit dem Rathaus und dem „Alten Schweden“ (ältestes Bürgerhaus in Wismar) besichtigte man auch die Hl.-Geist-Kirche, der früher ein Armen-Spital angegliedert war.
Von Rostock aus startete die Fahrt anderentags nach Güstrow. Hier wandelte man zunächst auf den Spuren des Künstlers Ernst Barlach in der „Barlach-Gedenkstätte“. „Die Kunst Ernst Barlachs spricht mich immer wieder in besonderer Weise an“, verriet Mitfahrerin Brigitte Schütze. Vor der Mittagspause schloss sich die Besichtigung des gotischen Backsteindomes St. Marien an, nicht nur eine der großartigsten Bauten der deutschen Backsteingotik, sondern bekannt auch durch Barlachs „Schwebender Engel“. Nachmittags ging es durch die „Mecklenburgische Schweiz“ zu der einst mächtigen Zisterzienserkloster- und Schlossanlage in Dargun. Die beiden Damen Elvira Steinmüller und Katharina Härtel wagten zusammen mit Pfarrer Kraft sogar eine Turm- und Dachbesteigung mit einem tollen Rundblick über die Landschaft rund um das Kloster. Beeindruckt kehrte die Reisegesellschaft am Abend nach Rostock zurück.
Eine weitere Perle der Bachsteingotik steuerte man am fünften Tag der Reise mit Stralsund an. Vor dem Stadtrundgang im mittelalterlichen Stadtkern (Welterbe der UNESCO) dirigierte Reiseführerin Weitzel den Bus über die neue Rügenbrücke, eine beachtenswerte Hängebrückenkonstruktion, von wo einem die Stadt Stralsund als „Backsteinkönigin“ zu Füßen liegt. Das Wahrzeichen der Stadt, das Rathaus, war Ausgangspunkt für weitere Besichtigungen unter dem Motto „1 Ausflug – 1.000 Eindrücke“. Ein Schwerpunkt bildete dabei die benachbarte gotische Kirche St. Nikolai mit ihrer sehenswerten künstlerisch wertvollen Innenausstattung. Für die ebenso gotische Kirche St. Marien reichte es nur zu einer Stippvisite, da auf der Rückfahrt noch ein Besuch im niederdeutschen Bibelzentrum St. Jürgen in Barth geplant war. Hier tauchten die Reiseteilnehmer mittels einer sehr inhaltsreichen Führung in die Welt der Bibel allgemein und speziell der ersten norddeutschen gedruckten Bibel in deutscher Sprache ein. Leider legte sich schon die Abenddämmerung über das Land, als der Bus die Rückfahrt über das Fischland und die Halbinsel Darst antrat.
Nach Verladen des Gepäcks am darauf folgenden Morgen in den Bus führte der Weg zunächst nach Dobbertin. Mittels einer örtlichen Führung erkundete man das ehemalige Benediktinerinnenkloster, welches zu einem der schönsten noch erhaltenen Klosteranlagen Mecklenburgs zählt (heute ein Diakoniewerk). Nicht nur die baulichen Anlagen hatten es den Besuchern angetan, sondern auch die wunderschöne landschaftliche Lage direkt an einem Seeufer. „Die Mönche wussten, wo es schön ist“, brachte es Helga Ehrhardt auf den Punkt.
Die Weiterfahrt führte zum letzten Ziel der Reise, die Landeshauptstadt Schwerin. Einer Führung im Dom mit dem höchsten Kirchturm Mecklenburgs, der beeindruckenden Ladegastorgel und dem ausdrucksstarken Kreuzaltar folgte die Stadtbesichtigung der historischen Altstadt mit dem Rathaus am Markt, dem Mecklenburgischen Staatstheater und vorbei am berühmten Schweriner Schloss, auf einer Insel inmitten des Schweriner Sees gelegen, einst Residenz der mecklenburgischen Herzöge, heute Sitz des Landtags.
Die letzte Übernachtung erfolgte im Intercity-Hotel zu Schwerin, nahe des Hauptbahnhofes, bevor am nächsten Tag die Rückreise nach Rheinhessen anstand.
Voller neuer faszinierender Eindrücke erreichten alle Fahrtteilnehmer am Abend wohlbehalten ihr Zuhause.






































